Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Krankenhaus-Hygiene Exner: „Nehmen Sie sicheres Wasser nicht als selbstverständlich hin“

Professor Martin Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Krankenhaus-Hygiene | Fotograf: Franz Neumayr | Bildnachweis: Hagleitner/APA-Fotoservice/Franz Neumayr | Ort der Aufnahme: Zell am See

Professor Martin Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Krankenhaus-Hygiene | Fotograf: Franz Neumayr | Bildnachweis: Hagleitner/APA-Fotoservice/Franz Neumayr | Ort der Aufnahme: Zell am See

Wer sich vor Infektionen mit wasserassoziierten Krankheitserregern schützen will, sollte wenig genutzte Leitungen regelmäßig durchspülen

Zell am See/Berlin/Bonn, 26. Juni 2026 – Wie sicher Trinkwasser ist, welche Risiken in den eigenen Leitungen lauern und was jeder selbst tun kann: Darüber spricht Professor Martin Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Krankenhaus-Hygiene.

Interview

Die Bedeutung der Händehygiene ist heute im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Wie steht es um die Wasserhygiene? Ist sie ein Thema nur für Fachleute – oder auch für Laien?

EXNER: Wasserhygiene betrifft uns alle. Zwar gehen die meisten Menschen selbstverständlich und zu Recht davon aus, dass unser Trinkwasser aus der Leitung sicher ist. Wir als Wissenschaftler müssen aber immer wieder neu hinterfragen: Wie sicher ist unsere Kontrolle? Risiken treten immer neu auf, etwa durch Legionellen, Pseudomonaden, Kryptosporidien. Die Erreger können schwere Erkrankungen verursachen, wenn keine geeigneten Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Parasiten wie Kryptosporidien lassen sich durch Chlor nicht zuverlässig abtöten. Deshalb müssen wir die Verfahren der Wasseraufbereitung zum Schutz der Bevölkerung ständig weiterentwickeln und das Bewusstsein für diese Themen stärken.

Welche Risiken entstehen erst im eigenen Zuhause? Und wie kann ich mich davor schützen?

EXNER: Einige Krankheitserreger vermehren sich erst in den Trinkwasserinstallationen unserer Häuser – und sie können sich dort zu hohen Konzentrationen entwickeln, besonders wenn Leitungen längere Zeit nicht genutzt werden. Deshalb empfehle ich, sowohl im Hotelzimmer als auch zu Hause nach dem Urlaub das Wasser vor dem Duschen etwa eine Minute lang kräftig laufen zu lassen – eine einfache Maßnahme mit großer Wirkung.

Heute trinken die meisten Menschen Leitungswasser, ohne darüber nachzudenken. Wie sicher ist unser Trinkwasser? Ist Mikroplastik auch ein Thema?

Mikroplastik ist ein Thema. Allerdings fehlen derzeit noch geeignete Untersuchungsverfahren, um die tatsächliche gesundheitliche Relevanz zuverlässig bewerten zu können. Erst auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, ob und in welchem Umfang regulatorischer Handlungsbedarf besteht. Die Wissenschaft muss deshalb kontinuierlich hinterfragen: Gibt es neue Risiken? Sind sie relevant? Welche Maßnahmen sind erforderlich? Grundsätzlich ist unser Trinkwasser sehr sicher. Dennoch müssen wir mögliche neue Risiken stets kritisch prüfen.

Schauen wir kurz aufs Gesundheitswesen. Gelten dort besondere Standards im vulnerablen und im sensiblen Bereich? Gibt es Felder, in denen besondere Vorsicht geboten ist?

EXNER: Ja. Für sehr empfindliche Patientinnen und Patienten haben wasserassoziierte Krankheitserreger eine besonders hohe Bedeutung. Innerhalb derselben Spezies gibt es sowohl harmlose als auch hoch virulente Stämme. Unter Virulenz verstehen wir die Fähigkeit eines Erregers, eine Erkrankung auszulösen. Die Forschung konzentriert sich deshalb zunehmend darauf, diese besonders gefährlichen Stämme frühzeitig zu erkennen und gezielt zu kontrollieren. Dadurch können Risiken besser eingeschätzt und geeignete Schutzmaßnahmen eingeleitet werden.

Welchen Rat haben Sie für die Menschen draußen im Alltag?

EXNER: Nehmen Sie Wasser nicht als selbstverständlich hin. Es ist ein hohes Gut und eines unserer wichtigsten Lebensmittel. Vertrauen Sie auf die Qualität unseres Trinkwassers, aber gehen Sie aufmerksam und verantwortungsvoll damit um. Informieren Sie sich über die Herkunft Ihres Wassers, um mögliche Risiken einschätzen zu können. Befassen Sie sich mit den Grundlagen der Wasserhygiene und achten Sie im eigenen Haushalt auf einfache Vorsorgemaßnahmen, etwa das regelmäßige Durchspülen wenig genutzter Leitungen.

Kontext

Dieses Interview hat Professor Martin Exner auf dem neunten Internationalen Hagleitner-Hygieneforum gegeben, das unter folgendem Motto stand:

Aus sicherer Quelle: Wasser und Hygiene im Gesundheitswesen

Getagt wurde am 11. und 12. Juni 2026, Schauplatz war Zell am See in Österreich.

Über das Internationale Hagleitner-Hygieneforum

Dieser Fachkongress gilt als Plattform für Hygiene- und Desinfektionsexperten, Ärzte sowie Pflegekräfte; gemeinsam beleuchten sie je Termin ein herausragendes Gesundheitsthema. Seit 2017 findet das Symposium statt, jährlich ist es ein fixer Programmpunkt in Zell am See in Salzburg (Österreich). Das Internationale Hagleitner-Hygieneforum richtet sich an das gesamte Gesundheitswesen: Akut-, Arbeits- und Präventivmedizin, Rehabilitation sowie Langzeitpflege.

Rückfragen

Hagleitner Hygiene International GmbH
Andrea Susanne Dold
PR-Redakteurin
+43 664 8212011
andrea.dold@hagleitner.com
www.hagleitner.com

Bildnachweis

Fotograf: Franz Neumayr
Hagleitner/APA-Fotoservice/Franz Neumayr

Ort der Aufnahme

Zell am See, Österreich